Archiv der Kategorie: Allgemein

Zum Muttertag

Wie sehr
freue ich mich schon
auf meine neue Freiheit,
wenn ich meine eigene Wohnung beziehe!

Ich werde selber
die Klopapierrolle wechseln
und den Vorleger vor der Muschel
mit dem Staubsauger
von den Fusseln befreien; vor allem aber
von den langen Haaren.

Wie sehr danke ich dir, Mama,
da du mich
zur Selbstständigkeit erzogen hast; alles
hast du mir damit gegeben.

Den Säugling
hast du in deine Arme genommen
und liebkost.

Damit
hast du mich zur Liebe befreit.
Das Letzte
in der aufopfernden Liebe
war das natürlich noch nicht;

Aber das Erste
für achtzig Jahre -
für hundert vielleicht -
der Liebe zu Gott.

Trisselwand

„Die Sprisselwand*", wiederholte der junge Mann aus Graz, als er zum ersten Mal von der Trisselwand hörte, der Steilwand beim Altausseer See. Und fügte dann noch sinnierend hinzu: „ - lustiger Name...“
Somit stellte er wohl ein für alle Mal klar, dass auch nicht jeder Steirer alles über die Steiermark weiß.

__
* Zum Ausdruck "Sprissel" (Leitersprosse) siehe hier.

Sprüche klopfen, ...

...klopfend Sprüchen
Bilder leihen;
leiernd sprechen
Klopfer im Maien.

Zum nächsten Maibaum: viele Sprüche den Klopfern im Mai...!

Und weil "opf" so schön ist, noch ein Spruch (dient zu nichts, höchstens dem Phantasietraining):

Quarkkrapfen natürlich (und solche mit Topfen -
nicht zu vergessen - ), die aus dem Kraftopfertopf kommen,
opfert quadratkopftapfer man dem Quartklopfer,
bis die Karpfen, dem armen Tropf begegnend,
ihm kopfüber in den Kropf hüpfen.

Éder und Portugal

Ich dachte immer, dass auch Portugal zu den Nationen zählt, die, falls es zulässig ist, eine ganze Nation mit einer Allegorie zu belegen, ich in die Schublade der „Heißsporne“ legen würde.

Nun hat sich aber gezeigt, dass es mit den Portugiesen doch ein bisschen anders ist.

Das Tor von Éder hat mich nämlich für alles entschädigt, was ich die ganze EM hindurch gelitten habe.

Dabei bin ich ja eigentlich keiner, den Fußball überhaupt jemals interessiert hat.

Meine Frau hat mir gedroht, falls ich weiterhin wie Diogenes im Fass lebe, gibt sie mir die „rote Koartn“, wie schon einmal gedacht und vor allem gesungen in einem Wiener Schlager der volkstümlichen Musik.

Also lege ich Pfötchen vor ihr und leide und leide und leide: mangels fußballerischen Vorwissens bilden sich meine Sympathien nur nach anderen Gesichtspunkten - wie etwa nach der Schönheit der Nationalhymnen oder den Gesichtern der Spieler und insofern hat auch die Wahl des Wortes „Gesichtspunkt“ eine deutliche Berechtigung.

Im Laufe der Wochen merke ich, dass ich doch auch selber mich für diese Welt ereifern kann - und meiner Meinung nach gar nicht einmal schlecht - dafür, dass ich ein Laie des runden Leders bin? ...!

Zuerst muss ich natürlich auf der Seite der Österreicher sein. Dann bin ich der Meinung, dass den Heißspornen des Südens - wer auch immer dazugerechnet werden solle - ein Eisbeutel in die Hose gesteckt werden müsse und zuletzt bin ich mir darüber im Klaren, dass mir anstatt der Franzosen eigentlich die Portugiesen lieber sind.

Aber dass alle Leiden dieser sommerlichen Fußballzeit 2016 wett gemacht werden würden durch ein einziges Glück erst im Finale, ist mir bis auf Weiteres noch nicht klar - denn, zu wem auch immer ich halte - „meine“ Mannschaft ist stets die Verliererin.

Meine Frau sagt zu mir: „Geh zu deinem Computer! - Immer wenn du die Mannschaft favorisierst, die auch ich befeuere, verliert sie!“

Ja, das ist wirklich bejammernswert, denke ich im Stillen. Hätte ich doch zu Diogenes´ Zeiten gelebt! - und nach ein paar Sekunden frage ich sie: „Du meinst, ich darf wirklich...?“

Da meine Frau mich nur allzu gut kennt, sagt sie daraufhin nichts. Aber auch ich kenne sie nur allzu gut. Ich ziehe es vor, doch beim Fernseher zu bleiben. Und das ist auch beim Finale noch so. Es muss durchgehalten werden.

Denn - als ich dafür letztendlich belohnt werde, schlummert meine Frau neben mir auf dem Sofa schon ganz sanft.

Stabat Mater

Schmerzerfüllt stand die Mutter
beim Kreuz und unter Tränen,
als ihr Sohn daran hing.

Seufzen der Seele,
Trauer und Leid
wie ein Schwert in der Brust.

Von diesen Peinen
selbst gekreuzigt wie ihr Sohn,
der einzig gezeugte des Vaters;

Von der Angst geschüttelt, der Kälte verstört,
widerfuhren auch ihr
die Qualen dessen, den sie zur Welt gebracht.

Wes Menschen Herz
verhält die Tränen
beim Anblick dieses Elendes?

Ist Trauer versagt? Ist
Fühlen verboten?
Die Verbundenheit siegt.

Die Mutter sieht ihren Sohn –
sieht ihn zerschmettert – zerfetzt für die Sünden
Seines Volkes, eines Volkes so störrisch und starr.

Vereinsamt sterbend, da Er den Geist verhaucht,
nimmt Jener die Mutter noch wahr,
die ihn einstmals in Glück geboren hat.

O. Mutter. Quelle der Liebe.
Könntest du mir doch die Einfühlsamkeit
deinem Schmerz gegenüber gewähren, damit ich mit dir trauere.

Es lodern die Flammen, die ich erblicke
in der Vision der Liebe, für die ich dich erwähle,
Frühlingsbrise der heiligen Liebe für Ihn.

Mögest du das vollbringen: dass ich die Qualen,
die Er erlitten, gültig im Herzen trage
als unauslöschlichen Stempel der Nachfolge im Kreuz.

Deines verwundeten Kindes Martern,
das für geeignet erachtet wurde zu solcher Mission,
teile mit mir, die du sie als erste mit Ihm geteilt.

Gleiche meine Tränen den deinen an
so weit als möglich. Dass ich mit dem Gekreuzigten leide
so weit, wie Er es für gut befindet.

An deiner Seite beim Kreuz zu stehen
sehne ich mich zutiefst,
damit ich das Weinen von Grund auf erlerne.

Jungfrau – glasklar – Leitbild aller Reinen,
gewähre den Frieden. Lass mein Weinen
in deinem Weinen geborgen sein.

Hilf mir, Christi Sterben
mitzusterben,
den Weg seines Kreuzes zu gehen.

Verwunde mich mit Seinen Leiden.
Mache mich brennen
vom Kreuz der Liebe herab, an dem dein Sohn hängt.

Erfasst bin ich auch, o Jungfrau, vom Brand,
der die Welt ergreift am Tag des Gerichts
und ich bitte dich, rette mich.

Lass mich bewacht sein unter solchen Kreuzes Erlösung.
Unterm Schutzmantel dieses Opfers sicher.
Ein Opfer des freien Willens – der Liebe.

Und wenn der Leib einmal stirbt,
wirke durch deinen Einfluss, dass der Seele
der Friede des Ewigen Ruhens geschenkt wird. Amen.

Geschrieben, als S. H. Papst Benedikt XVI. sich in schwerer Zeit wiederfand

Diese ziemlich freie Übersetzung aus dem Lateinischen entstand in einem Zeitraum von etwa zwanzig Jahren und ist eine einigermaßen oft überarbeitete Version. Ecclesia semper reformanda ist meiner bescheidenen Meinung nach im Sinne von Demut eine zuerst bei sich selbst anzufangende Haltung, die, hier in Bezug auf das Stabat Mater, immer bereit sein soll, dieses Gebet auch ein weiteres Mal und, wenn nötig, von Neuem zu überarbeiten. Es geht ja um eine Annäherung. Das Geheimnis selbst bleibt immer dasselbe (das ist die Tradition). Die Annäherung soll meinem Empfinden nach das sein, was unter „Aggiornamento“ gemeint ist und Aggiornamento ist im Prinzip nur ein anderes Wort für das, was der Christ unter Tradition versteht: Das Überlieferte.
Franz Tieber

In die Auferstehung unseres Erlösers mit hinein genommen: +Alois Tieber

Sein Leben

war eine Bühne der Mysterienspiele
und auf dem Transparentpapier der Fensterscheibe davor
malten Halbwüchsige mit bunten Kreiden
die Szenen des Lebens Jesu.

 

Gebet

Herr, Du mein Gott,

ich bete Dich an,
heiliges Leben,
Reiner der Reinen.
Gewähr
bist du denen, die sich auf Dich stützen.

Heiliger Gott, aus Deinen
Herzkammern fließt
eine Lava der Liebe -
teure Geschmeide zärtlichen Gedenkens.

Ausufernd die Ströme
Deines wohlwollenden Schöpfens
aus dem Nichts, aus dem Nichts.

Wenngleich dieses Fließen
uns mächtig begegnet, merken wir wenig.
Noch weniger zudem
erfüllen wir Deinen heiligen Willen...

So rette uns denn!
Der Stunden ist knappe Zahl,
Deine Barmherzigkeit der Zufluchtsort unsrer Herzen.

Zähneknirschen an Ecken und Enden,
zerknirscht mein Herz indes, wenn Deine Vergebung mich einhüllt
vor der Verfolgung durch die Feinde.

So rette uns denn! Dein Wort ist der Schutz.