Ra - die Mondbewohnerin

Sie hat eine berühmte Großtante: Zri, die große Zra, welche ihrerseits, nicht so scheu, bei Christian Morgenstern einige Tage zu Gast war.

Ra kannte Morgenstern allerdings nicht und er sie wahrscheinlich auch nicht. Ob das für irgendwen von beiden zum Vor- oder Nachteil war, weiß man heute nicht mehr so genau.

Hinterm Mond hat Ra ihr Häuschen. Man hüte sich aber, sich dieses etwa so wie das Hexenhaus bei Hänsel und Gretel vorzustellen.

Apropos Gesuder: Parabel

Braun gebrannt hat ihre Brezeln
Bruder Brunos Brauerei,
und es ruft die braven Spezeln
Pater Prior prompt herbei.

Brand bricht aus am Herde heftig,
was, wie´s scheint, nicht sehr berührt,
während an den Tischen deftig
Brot und Braten man verzehrt.

Brennend brüllt der Brutzelbruder:
„Bringt vom Bronnen Wasser rasch!“
Doch den Brauern das Gesuder
scheint zu brüsk, man brummt nur lasch.

Das ist es, was ich gelernt habe

Aber auch nicht gut genug, um ein Experte zu sein. Hätte ich es in meiner Jugend doch zum Experten getrieben! Dann könnte ich auch Studenten quälen, bei Prüfungen den strengen und erhabenen Blick an den Tag legen! Aber nein! - Ich wollte frei sein, mir selber Souveränität beweisen - kurzum, der Welt zeigen, dass ich weiß, was ich will. Nun ist es zu spät. Ich werde sterben, naturbelassen in Bezug auf Grammatik, Stilistik, Kenntnisse der klassischen Literatur der Antike. Ich werde vielleicht in einem Pflegebett meinem Tod entgegensiechen, in, wenn ich Glück habe, Umständen, in denen barmherzige Hände diesem absterbenden Fleisch doch noch die letzten nötigen Dienste erweisen. Habe ich Würde? Auch wenn ich nichts weiß über die Feinheiten der Ausdrucksweisen im Unterschied zwischen Ovid und Horaz? Aber gewiss doch. Deine Würde und meine Würde kommen von oben. Bin ich weinerlich, weil ich meine eigene Geschichte beklage? - Ja, vielleicht. Ich war immer schon weinerlich. Dennoch - und gleichzeitig: Das Leben ist schön. Ich darf sogar ein bisschen weinerlich sein. 

Gras des Sommers!

 

Bild?
Dieses Bild wurde aufgenommen Anfang Juni 2014 auf der Donauinsel in Wien.

Deinen reinen, hellen Duft
hab' ich an Plätzen wahrgenommen

so,

dass durch die schwebend leichten Blüten
scheue Wolkenbildermythen
sind gekommen.

Woher?

Ex abundantia!

 

Zeit war ihrer Zeiten Kluft.

Und der Schöpfer pflückt den Jahren,

die wie Grases Büschel waren,
ihre reifen Blüten ab. 

Franz Tieber